Schutz vor Abo-Fallen im Internet

Christine 1. Januar 2010

Mein Bruder war gerade 13 Jahre alt als ihm sein Freund (15) im Internet seine voraussichtliche Lebenserwartung ausrechnete. Fasziniert von dieser Spielerei suchte er daheim am eigenen Rechner nach der kostenlosen „Wie-alt-werde-ich“-Seite. Treffer gab es bei google einige, nur dass sich mein Bruder, abgelenkt durch Wörter wie „frei“ und „völlig kostenlos“, unwissend für eine kostenpflichtige Altersberechnung entschied. Er scrollte nicht bis zum Ende der Seite und las auch nicht die AGB´s, wo er sicherlich den Hinweis gefunden hätte, dass er mit der Eingabe seiner Daten und der Registrierung eine zweijährige Mitgliedschaft für einen Beitrag von 240€ eingeht.

Personen unter 18 Jahre war der Zugang untersagt, was mein Bruder allerdings nicht als großes Hindernis sah, sondern dazu veranlasste, ein fiktives Datum zu wählen. Er sah dies nicht als Betrug an, sondern als kleine Lüge, um seinem Ziel näher zu kommen. Er war auch so „schlau“ eine falsche Adresse und einen falschen Namen anzugeben. Bei seiner E-Mail Adresse war er weniger vorsichtig und gab seine Korrekte an.

Ihm war nach der Eingabe der Daten und nach Nutzen des Dienstes natürlich nicht klar, dass er soeben ein 2-Jahres-Abo abgeschlossen hatte und auch nicht, dass er nun 14 Tage Zeit hatte seine Anmeldung zu widerrufen.

Die erste E-mail des Betreibers kam nach ca. 4 Wochen mit der Aufforderung den Mitgliedsbeitrag von 240€ umgehend zu zahlen. Auch eine erste Drohung, dass ein Nicht-Bezahlen eine strafrechtliche Verfolgung nach sich ziehen würde, war bereits mit verpackt.

Mein Bruder war nach dem Lesen der E-Mail verständlicherweise völlig verzweifelt und gestand meiner Mutter unter Tränen, was er „angestellt“ hatte. Er war sogar bereit das angesparte Taschengeld beizusteuern, um die Betreiber zu bezahlen.

Danach wurden mein Mann („der macht was mit Computern“) und ich zu Rate gezogen.

Wir erklärten den Betreibern, dass mein Bruder minderjährig sei und damit keine Verträge abschließen dürfe und dass für ihn nicht ersichtlich gewesen sei, dass er einen kostenpflichtigen Dienst in Anspruch genommen hatte. Daraufhin wurde uns mit der Übergabe unseres Falles an ein Inkassobüro gedroht.

Wir antworteten, dass wir nicht bereit seien zu zahlen. Es folgte ein Angebot seitens des Anbieters das in etwa wie folgt lautete: „…Wir akzeptieren Ihre Widerruf gegen Zahlung einer Bearbeitungsgebühr von 40 Euro…“. Wir ignorierten diese und auch alle weiteren E-mails des Betreibers. Nach einigen Wochen kehrte Ruhe ein.

Aber nicht nur mein Bruder wurde von der Abo-Falle erwischt, sondern kurze Zeit später auch meine Schwester (fiel auf opendownload.de rein) und mein Schwager (nach Download eines Klingeltons hatte er ein Jamba „Spar“-Abo am Hals).

Das Prinzip ist immer das Gleiche: das Opfer wird mit einer stupiden Dienstleistung gelockt, die für gewöhnlich kostenlos im Netz angeboten wird. Dann werden persönliche Daten abgefragt und schon bekommt man nach Ablauf der 14-tägigen Widerrufsfrist die erste Rechnung. Anschließend folgen einschüchternde Mahnungen und Androhungen von Inkassobüros.

Was kann ich tun, um mein Kind und somit auch mich vor solchen unseriösen Anbietern zu schützen.

Hier sind die wichtigsten Punkte:

  • Komplett auf solche Dienste verzichten
  • Die ganze Seite prüfen, nicht nur den sichtbaren Bereich auch das Kleingedruckte und die AGB
  • Keine persönlichen Daten eingeben

Wie soll ich mich verhalten, wenn mein Kind ein Abo im Internet abgeschlossen hat.

  • Auf keinen Fall bezahlen, solche Verträge sind in den meisten Fällen unwirksam. Bei der Verbraucherzentrale erhalten sie weitere Informationen und einen Musterbrief, den Sie an den Anbieter senden können.

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